Modejournalismus – das unterschätzte Fach

Der Mode entkommt man nicht. Denn auch wenn Mode aus der Mode kommt, ist das schon wieder Mode“, so ein Zitat von Karl Lagerfeld. Man kann den deutschen Modedesigner mögen oder auch nicht, doch die Essenz dieser Aussage ist richtig: Mode ist ein umfassendes gesellschaftliches und kulturelles Phänomen. Umso wichtiger, dass es Journalistinnen und Journalisten gibt, die sich diesem Thema annehmen.

Doch Modejournalisten haben es nicht leicht. Konfrontiert man Personen in Deutschland mit dem Thema „Mode“, schwirren in den Köpfen prompt die Einschränkungen der Thematik in das „schön Anziehen“, das Oberflächliche, Elitäre; schöne Kleidungsstücke für schöne Menschen, die viel zu viel Geld ausgeben für einen Modezirkus, der keine Relevanz hat. Und Modejournalisten sind folglich die Äffchen, die mit den Themen aus diesem Zirkus jonglieren.

Heimliche Intellektuelle…

Dabei werden Modejournalisten zu unrecht von manchen belächelt. Neben einem Grundinteresse an Mode brauchen sie, wie jeder andere Journalist auch, eine umfassende Ausbildung. Kenntnisse aus den Bereichen Politik und Geschichte sind genauso unerlässlich wie ein Überblick über das Kulturgeschehen im In- und Ausland, Interesse für Fotografie sowie kunstgeschichtliches Wissen. Die WELT bezeichnet Modejournalisten in ihrer Onlineausgabe vom 31. März 2007 sogar als „Heimliche Intellektuelle“.

Trotzdem: Die Bestandsaufnahme hinsichtlich der Ausbildung von Modejournalisten (zumindest an staatlichen Hochschulen) ist zurzeit eher ernüchternd. Dabei ist die Mode in der deutschen Medienlandschaft stark vertreten – selbst renommierte Tages- und Wochenzeitungen berichten inzwischen regelmäßig über wichtige Ereignisse aus der Modewelt und ihre Protagonisten.

…oder Bling Bling ohne Tiefgang?

Die vielen Vorbehalte die man hat, wenn man an Mode denkt, decken sich oft mit dem, was man in den Hochglanzmagazinen zu sehen bekommt: viele Legeseiten mit Produkten, kleine Textchen mit wenig Tiefgang und hübsche Modestrecken mit viel zu dünnen Models und retuschierter Haut. Diese Magazine gibt es. Doch auch wenn eine konstruktive Diskussion darüber angebracht ist, haben diese Magazine ihre Berechtigung; nicht umsonst verkaufen sie sich und sind erfolgreich, denn sie sind gefragt. Sie sind eine Dienstleistung für den Leser, der wissen möchte, was er kaufen und tragen soll. Ein Wegweiser im Modekonsum-Dschungel.

Modemagazine können aber auch gesellschaftskritisch und politisch sein. Modestrecken sind Ausdruck, Inspiration und Kunst; Modefotografen können wie kaum andere Fotografen den Zeitgeist in ihren Bildern festhalten.

Wer sich differenzierter mit dem Angebot an Modemedien beschäftigt und die Texte liest, merkt schnell, dass viel journalistisches Talent hinter diesen Medien steckt. Modejournalisten sind Unterhalter, sie inspirieren und faszinieren. Sie sind aber auch Kritiker, politisch engagiert und Kunst-affin.

Es gilt festzuhalten: Modejournalisten sind ernstzunehmen, genau wie Politik-, Sport- oder Kulturjournalisten. In Ländern wie Frankreich oder Italien kein Problem. Die Mode und darüber schreibende Journalisten allgemein als unwichtig zu degradieren, in einem Land, das mit seiner Textil- und Bekleidungsindustrie international zu den Exportweltmeistern gehört (laut Bundesministerium für Wirtschaft und Energie), ist fatal. Denn auch Deutschland ist ein Modeland – und Modejournalisten und ihre Arbeit verdienen Anerkennung.

Dieser Text enstand auf Grundlage des Artikels „Stiefkind Modejournalismus“ von Birgit Stolz bei „Fachjournalist“.

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